Das Haus des Reisens


Nach der Teilung Berlins sollte der Alexanderplatz als Teil eines Zentralen Ortes der neuen Hauptstadt der DDR ganzheitlich „sozialistisch“ umgestaltet werden.
Nach einem „Beschluss über den Aufbau eines Zentrums der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik“ (1961) wurden zahlreiche Altbauten abgerissen und der Verkehr auf dem Weg von Osten ins Zentrum tangential um den Alexanderplatz herumgeführt.

Am nordöstlichen Rand der entstehenden großen Freifläche wurde 1961-64 das Haus des Lehrers mit Kongresshalle als erstes modernes Gebäude Ost-Berlins errichtet. Ihm folgten das Centrum-Warenhaus, Interhotel Stadt Berlin, Haus der ElektroindustrieHaus des Berliner VerlagesHaus der Statistik und Haus des Reisens.

Blick von der Karl-Marx-Allee in Richtung Haus des Berliner Verlages (links). Rechts steht das Haus der Gesundheit, daneben das Haus der Statistik gefolgt vom Haus des Reisens. Dahinter befindet sich das Haus der Elektroindustrie

Das ehemalige Haus des Reisens

Das Haus des Reisens (kurz: HdR) am Alexanderplatz in der heutigen Alexanderstraße 7 war zu DDR-Zeiten ein Traum und eine in Stein gefasste Sehnsucht nach der Welt.
Das 18-geschossige, 67 Meter hohe Haus wurde vom 12. September 1969 bis zum 26. Oktober 1971 bei der sozialistischen Platzumgestaltung in der Nähe des zuvor abgerissenen Minolhauses errichtet. Die Baupläne stammen von Roland Korn, Johannes Brieske und Roland Steiger. Die Innenraumgestaltung oblag Hans Bogatzky.

Haus des Reisens, 2019

Der Hochhausbau ist von einer flachen, zweigeschossigen Umbauung umgeben. An seiner östlichen Fassade ist ein 24m × 5m großes Kupfer-Relief des Künstlers Walter Womacka angebracht: “Der Mensch überwindet Zeit und Raum”. Womacka gestaltete auch den Brunnen der Völkerfreundschaft und den Fries am Haus des Lehrers.

Haus des Reisens, 2019

Das Gebäude beherbergte bis zur politischen Wende die Hauptdirektion des Reisebüros der Deutschen Demokratischen Republik und Büros der Fluggesellschaft Interflug.
Im Erdgeschoss befanden sich die Schalter für den Flugverkehr sowie den Eisenbahnverkehr für das In- und Ausland.
Der zentrale Ausländer-Service des Reisebüros mit dem Ausländermeldedienst der Deutschen Volkspolizei und einer Wechselstelle der Industrie- und Handelsbank waren Tag und Nacht für ausländische Gäste dienstbereit.
Zusätzlich gab es ein kleines Cafe mit 60 Plätzen, eine kleine Bar und 40 Plätze im Außenbereich. Von der ursprünglichen Innenausstattung ist nach der politischen Wende nichts erhalten geblieben.

Da das Gebäude durch außergewöhnliche architektonische Details besticht (die Vorhangfassade besteht aus einer Aluminiumkonstruktion, der zweigeschossige Sockel wird durch wellenförmige plastische Schalen abgeschlossen) und ein wichtiges Zeugnis der internationalen Architektur der 1970er Jahre darstellt, steht es seit Juli 2015 unter Denkmalschutz.

Seit 2010 befindet sich in diesen Räumen der Skyclub. Im 12. Geschoss wurde Anfang 2005 der Club Week End gegründet. Dieser befindet sich seit den 2010er Jahren zusätzlich in der 15. Etage und nutzt eine extra eingerichtete Dachterrasse. Seit März 2015 betreibt FitX ein Fitnessstudio in dem Gebäude.

Haus des Reisens, 2019


Quellen:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/das-haus-des-reisens-in-berlin-startbahn-sehnsucht/8637180.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_des_Reisens
https://www.architektur-bildarchiv.de/image/Haus-des-Reisens-Berlin-8692.html
https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-alexanderplatz-aus-ddr-bauten-mach-denkmal/8635168.html

Das Haus des Reisens


https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/alexanderplatz/de/heute/haus_des_reisens/index.shtml
https://web.archive.org/web/20150713225754/http://www.rbb-online.de/kultur/beitrag/2015/07/denkmalschutz-fuer-weltzeituhr-und-zwei-weitere-bauwerke-am-alex.html

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4 Antworten to “Das Haus des Reisens”

  1. Womacka in der Friedrichsgracht (Fischerinsel) | berlin metropolis Says:

    […] 1962 bis 1964 entstanden die „Bauchbinde“ am Haus des Lehrers, ein Kupferrelief am Haus des Reisens und der Alex-Brunnen, in seiner richtigen Interpretation: „Brunnen der […]

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  2. Das Cafe Moskau | BERLIN Metropolis Says:

    […] Nach der politischen Wende ging auch hier die Immobilie an die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG Immobilien) über und stand lange Zeit leer. Nach dem Jahr 2000 wurde das Café Moskau für unterschiedliche Veranstaltungen, kulturelle Aktivitäten und als Treffpunkt wiederbelebt. Von 2002 bis 2004 war der WMF Club mit der gastronomischen Leitung betraut, bespielte die Nachtbar mit wöchentlichen Club-Abenden und gelegentlich auch alle anderen Bars. Wöchentlich fand sonntags bis zu deren Umzug ins Week-End im Haus des Reisens die schwul-lesbische GMF-Party statt. […]

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  3. Kunst im Heim & LKW Tatra Motokov | BERLIN Metropolis Says:

    […] seit längerer Zeit fotografiere ich u.a. auch die „Häuser der/des“ (Statistik, Reisens etc.), was vorrangig -aber nicht nur- DDR-Architektur ist. 2018 (bzw. schon sehr viel früher) […]

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  4. Haus der Statistik, Haus der Gesundheit & Nutzung vom „Allesandersplatz“ | BERLIN Metropolis Says:

    […] Nach der Teilung Berlins sollte der Alexanderplatz als Teil eines Zentralen Ortes der neuen Hauptstadt der DDR ganzheitlich „sozialistisch“ umgestaltet werden. Nach einem „Beschluss über den Aufbau eines Zentrums der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik“ (1961) wurden zahlreiche Altbauten abgerissen und der Verkehr auf dem Weg von Osten ins Zentrum tangential um den Alexanderplatz herumgeführt. Am nordöstlichen Rand der entstehenden großen Freifläche wurde 1961-64 das Haus des Lehrers mit Kongresshalle als erstes modernes Gebäude Ost-Berlins errichtet. Ihm folgten das Centrum-Warenhaus, Interhotel Stadt Berlin, Haus der Elektroindustrie, Haus des Berliner Verlages, Haus der Statistik und Haus des Reisens. […]

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