Wilde Prärie neben Himmlers bzw. Mielkes Kegelbahn in Dammsmühle


Wildpferde (Koniks) auf dem Löwenzahnpfad

Zum Jahresabschluss gab es noch einen Spaziergang, der eigentlich eine kleine Auszeit abseits vom Großstadtlärm- und Trubel Berlin´s sein sollte. So gesehen als kleinen Abschluss, das Jahr mit Ruhe zu verlassen.
Mit Frau F. und ihrem bezaubernden Hund „Blue“  wollte ich mir das Naturschutzgebiet Schönerlinder Teiche (auch Löwenzahnpfad genannt) ansehen. Denn dort gibt es Konik-Wildpferde und Wasserbüffel. Ein bisschen wie „Heimat“… und viel weites Land…
Zwei dieser, ja fast zutraulichen Wildpferde hatten an diesem Tag einen besonderen Clown gefrühstückt 😉 Schaut selbst:

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Nen bisschen veräppelt kam ich mir bei dem Pferd – wie auf dem letzten Foto zu sehen – ja vor 😀 Die Wasserbüffel habe ich nur von Weitem sehen können, da habe ich dann keine Fotos mehr gemacht.
Vom weiten Land ging es dann auch bald schon weiter. Denn Frau F. schlug vor, mir ein altes Schloss zu zeigen, welches ich noch nicht kannte. Dafür ging es dann mit dem Auto irgendwo durch die Pampa Brandenburgs (Wandlitz) bis tief in den Wald.

Stasi-Schloss Dammsmühle

Das Schloss, welches sich Schloss Dammsmühle nennt, hat schon die kuriosesten Namen im Netz und in der Presse bekommen: Stasi-Schloss, Rapunzels Stasi-Schloss, Märchenschloss, Dornröschenschloss, das Schloss in dem es spukt….mit einer Kegelbahn von Heinrich Himmler oder doch von Erich Mielke?
Fakt ist, das es ein neobarockes Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert ist welches in der Umgebung von Wandlitz liegt. Dort hatten schon die Nazis „residiert“, der KGB und bis zur Wende 1989 die Stasi, u.a. laut BStU mit ihrem (Militär)-Pionierlager „Feliks E. Dzierzynski„.  Wobei es hier aber Ort aber auch schon wieder Ungereimtheiten gibt, folgt man dem Bericht der Presse der Märkische Allgemeine Zeitung.

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Stasi-Minister Erich Mielke ließ hässlich funktionale Gästehäuser, einen Wirtschaftshof und einen Bunker bauen, der sogar über ein eigenes Kommunikationsnetz verfügte. Im Schlossinneren ließen es sich die obersten Stasikader gutgehen: Es gab eine Sauna, einen schmucken Speisesaal und der ehemalige Wandelgang diente fortan als Kegelbahn. Das Volk im Arbeit- und Bauernstaat blieb freilich weiträumig ausgesperrt.

Der Berliner Kurier schreibt zum Schloss Dammsmühle folgendes:

1959 übernahm Stasi-Chef Erich Mielke die Schlossherrschaft. Er nutzte es bis zur Wende als sein Jagdschloss, ließ Gästehäuser in den Schlosspark setzen, einen Wirtschaftshof errichten und funktionierte den wunderschönen Wandelgang, der ans Schloss anschließt, um. Zu einer Kegelbahn! Dass der Minister nicht nur für die Sportvereinigung Dynamo, sondern auch für den Kegelsport schwärmte, war aber natürlich Verschlusssache.

Mielke war es übrigens auch, der zwischen 1968 und 1978 weitere Umbaumaßnahmen auf dem Gelände vornahm. Er ließ einen unterirdischen Bunker bauen, und ein Mansardendach wurde durch ein Vollgeschoss ersetzt. Noch heute erkennt man das an den unterschiedlichen Fensterrahmen des Hauses.

Seit dem Untergang der DDR wartet Schloss Dammsmühle auf eine glanzvollere Zukunft. Ein paar Anläufe hat es bereits gegeben, verschiedene Investoren versprachen hochfliegende Pläne, tatsächlich saniert wurde bislang nie. Derweil diente das Schloss als Filmkulisse, Eventlocation und schaurig-schönes Ausflugsziel – und verfiel.

Außenaufnahmen

Von mir die Fotos von draußen, weiter unten auch vom Berliner Kurier mit Innenaufnahmen (extern verlinkt in einer PDF-Datei):

Die ehemalige Homepage von Schloss Dammsmühle hat dazu eine kleine Chronik veröffentlicht:

1940 nach Einziehung des Geländes als „feindliches Vermögen“ durch das NS-Regime untersteht es offiziell dem Reichsführer der  SS, Heinrich Himmler. Ob er je vor Ort war, ist nicht bekannt.
1943 Arbeitseinsatz von insgesamt 25 männlichen Häftlingen zwischen dem 2.1. und 3.7. in dem zu dieser Zeit als Außenlager des KZ Sachsenhausen zählenden „Objekt 1091“.
1945 die Rote Armee besetzt Dammsmühle; zunächst als Lazarett genutzt, wird das Gebäude später Erholungsheim und Casino für sowjetische Offiziere
1951 nach Übergabe an die deutschen Behörden dient das Objekt dem MfS als Bildungsstätte, Erholungsheim und Pionierlager für die Kinder vom MfS
1958 Verwaltungshoheit des Rates der Gemeinde Schönwalde über Dammsmühle
1959 die Stasi bemächtigt sich des Schlosses; es dient ihr unter anderem als Gästehaus
1968 größere Umbauten am Schloss bis 1978: Vollgeschoss mit Dachgarten statt des Mansardendaches; Bau unterirdischer Bunker auf dem Gelände
1989 die Wende beendet die Anwesenheit der Stasi auf Dammsmühle
1991 Kulisse für den WDR-Mehrteiler „Haus am See“ mit Hildegard Knef, Anita Kupsch, Ursula Monn

Innenaufnahmen

Neben dem Tagesspiegel hat auch der Berliner Kurier über das Schloss berichtet. Diese vier Links empfehle ich dazu zu lesen:  [1] [2] [3] [4] Berliner Kurier war hierbei etwas mehr in die Tiefe gegangen und hat auch Innenaufnahmen vom Schloss publiziert; den Link zur PDF-Datei des Artikels (archiviert) kann man sich alternativ auch hier ansehen!

Stasi-Schloss Dammsmühle


Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Dammsmühle
http://www.stasi-mediathek.de/medien/immer-bereit-dokumentation-ueber-das-pionierferienlager-feliks-e-dzierzynski-in-dammsmuehle/
http://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Einblicke-ins-Stasi-Ferienlager-Klausheide
http://www.bstu.bund.de/DE/InDerRegion/Dresden/Notizen/20130418_fussball.htmlhttp://www.schloss-dammsmuehle.de/schloss_geschichte.htm
http://www.tagesspiegel.de/berlin/das-vergessene-maerchenschloss/512644.htmlhttp://www.berliner-kurier.de/berlin/brandenburg/schloss-dammsmuehle-in-schoenwalde-das-stasi-schloss–in-dem-die-geschichte-spukt-4885502
http://www.berliner-kurier.de/berlin/brandenburg/schloss-dammsmuehle-in-schoenwalde-das-stasi-schloss–in-dem-die-geschichte-spukt-4885502-seite2
http://www.berliner-kurier.de/berlin/brandenburg/schloss-dammsmuehle-in-schoenwalde-das-stasi-schloss–in-dem-die-geschichte-spukt-4885502-seite3
http://www.berliner-kurier.de/berlin/brandenburg/schloss-dammsmuehle-in-schoenwalde-das-stasi-schloss–in-dem-die-geschichte-spukt-4885502-seite4

Mielkes Kegelbahn im Grünen – Ausflug zum Schloss Dammsmühle


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Eine Antwort to “Wilde Prärie neben Himmlers bzw. Mielkes Kegelbahn in Dammsmühle”

  1. Wenn der Herbst im Moor steht | BERLIN Metropolis Says:

    […] Muffelwild und Damwild beobachtet (und fotografiert) werden kann. Ähnlich hatte ich dies 2015 im Mühlenbecker Land gemacht, wo ich letztendlich aber noch etwas ganz anderes zum fotografieren fand. Wenn man ganz […]

    Liken

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