Stillgelegte Siemensbahn (S-Bahn) Teil 2

25/10/2020

Der S-Bahnhof Siemensstadt in Berlin

Im Juni 2013 war ich mit Sterotopie auf einem alten Gelände eines ehemaligen und stillgelegten S-Bahnhofes. Wir waren damals eine ziemlich lange Wegstrecke (ca. 32 bis 39) abgelaufen und hatten vor Ort auch noch zwei Architekten angetroffen und uns mit diesen unterhalten, von denen ich nicht weiß, ob es jene (Chestnutt-Niess) waren, die zusammen mit Studenten 2014 einen Entwurf für eine Nachnutzung für dieses Gelände entwarfen.
Das Projekt „Re-Urbanisierung der Siemensbahn“ umfasste dabei die Einrichtung einer Schwimmbahn auf einem Streckenabschnitt, die gezielte Begrünung des Viadukts und die Herrichtung eines Fuß- und Radweges.

Zur damaligen Zeit hatte ich den Ort noch nicht benannt (auch wenn Kundige das natürlich schnell raus bekommen konnten); mittlerweile laufen dort aber die Bauarbeiten zur Wiederinbetriebnahme der vor 40 Jahren stillgelegten Strecke.
Laut rbb werden zunächst alter Schotter und marode Schwellen abgeräumt. Zum 800 Meter langen Stahlviadukt lägen erste Untersuchungsergebnisse vor: Demnach bestehe Hoffnung, dass er erhalten bleiben könne.
Die Bahn will im Zuge der Wiederbelebung der Siemensbahn die historischen Bahnhöfe Wernerwerk, Siemensstadt und Gartenfeld reaktivieren. Eine Machbarkeitsstudie soll zudem klären, ob die Strecke über Gartenfeld hinaus verlängert werden kann.

Mittlerweile -mit Stand 2020- wird dort ja ganz Großes geplant – „Siemensstadt 2.0“. Bleibt abzuwarten, wie sich das alles entwickelt und was vom Denkmalschutz tatsächlich letztendlich übrig bleibt.

Den ersten Teil zu diesem Beitrag kann man sich hier an Fotostrecke im Blog ansehen. Die weiteren Fotos (mindestens noch ein Teil) werde ich zu späterer Zeit und an dieser Stelle verlinken.

Geschichte der Siemensbahn

Siemensbahn ist der Name einer S-Bahn-Strecke in Berlin, die von Jungfernheide über knapp viereinhalb Kilometer nach Gartenfeld verläuft. Die Bezeichnung leitet sich von der Firma Siemens & Halske her, von der die Strecke in Eigenregie zwischen 1927 und 1929 erbaut wurde. Seit dem Reichsbahnerstreik im September 1980 ist sie außer Betrieb. 
Bereits im Jahr 1905 ließ der Siemens-Konzern einen firmeneigenen Bahnhof für seine Mitarbeiter einrichten, damit diese schneller zur Arbeit gelangen konnten. Der als „Fürstenbrunn“ (später: Siemensstadt-Fürstenbrunn) eröffnete Bahnhof an der Hamburger und Lehrter Bahn verzeichnete anfangs hohe Fahrgastzahlen, lag aber zum Werksgelände immer noch ungünstig.
Da sich zudem in den 1920er Jahren das Werkszentrum in die nördliche Siemensstadt verlagerte, suchte die Werksleitung nach einer Alternativlösung. 1925 verständigten sich Siemens und die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) auf den Bau einer neuen Strecke.

Den Bau der Trasse sowie die Ausrüstung der Bahnhöfe übernahm die Siemens-Bauunion. Der Konzern stellte das Gelände bereit. Die Reichsbahn sollte lediglich den Betrieb sicherstellen. Diese Absprache war auch möglich, weil Konzernchef Carl Friedrich von Siemens gleichzeitig Präsident des Verwaltungsrates der DRG war.

Der Bau begann 1927 und wurde nach zwei Jahren abgeschlossen. Am 18. Dezember 1929 konnte der Verkehr aufgenommen werden. Die Züge fuhren elektrisch, die Große Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen war gerade im vollen Gange. In den ersten Jahren fuhren die Züge bis nach Neukölln oder Papestraße durch.
Die Passagierzahlen stiegen deutlich, wobei die Strecke großenteils durch die Arbeiter der Siemens-Werke genutzt wurde. Von den rund 90.000 Mitarbeitern, die Siemens zu dieser Zeit allein in Siemensstadt beschäftigte, nutzten etwa 17.000 die im Fünf-Minuten-Takt verkehrende S-Bahn von und zu ihrem Arbeitsplatz.

Ein Bebauungsplan von Albert Speer sah einen Umsteigebahnhof am Ende der Strecke vor. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke beschädigt. So war die Spreebrücke kurz hinter dem Abzweig zerstört. Schon am 17. September 1945 konnte sie durch eine Behelfsbrücke ersetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Siemens-Güterbahn über eine hölzerne Rampe bereits provisorisch an den S-Bahnhof Gartenfeld angeschlossen worden, da die Wehrmacht die Spreebrücke gesprengt hatte.
Das zweite Gleis wurde als Reparationszahlung an die Sowjetunion ausgeliefert. Bis zum 28. April 1948 fand vorwiegend in den Nachtstunden auf dem S-Bahn-Gleis Güterverkehr statt. Die Verbindung blieb bis zum März 1950 bestehen, weil Siemens für die Deutsche Reichsbahn S-Bahn-Wagen reparierte.

Der zweigleisige Betrieb konnte am 3. Dezember 1956 nach dem Neubau der Spreebrücke wieder aufgenommen werden. Die früheren Nutzerzahlen wurden nicht mehr erreicht, weil der Siemens-Konzern seinen Hauptsitz nach München verlegt hatte. Die Strecke war fortan eine der am wenigsten genutzten im gesamten Berliner S-Bahn-Netz. Folglich wurden die Züge bis Jungfernheide zurückgezogen, und meist kamen ältere Fahrzeuge der Baureihen ET 168 und ET 165 zum Einsatz, die zuletzt im 20-Minuten-Takt mit 30 bis 40 Fahrgästen verkehrten.

Nach dem Reichsbahnerstreik im September 1980 wurde der Verkehr eingestellt. Die Siemensstadt verfügte mit den im Oktober 1980 eröffneten Bahnhöfen Siemensdamm und Rohrdamm der U-Bahn-Linie U7 über eine Alternative zu den Bahnhöfen Wernerwerk und Siemensstadt.

Im August 1995 wurde der Streckenteil zwischen der Bezirksgrenze zu Spandau und dem Bahnhof Gartenfeld unter Denkmalschutz gestellt.
2005 wurde beim Neubau der Schleuse Charlottenburg die Spree verlegt, dabei wurde der Bahndamm zwischen dem Abzweig von der Ringbahn und dem südlichen Spreeufer teilweise abgetragen und die Vorlandbrücke der Spreebrücke abgerissen.
2007 widersprach der Berliner Senat der beim Eisenbahn-Bundesamt beantragten Entwidmung des Bahngeländes. Verhandlungen zwischen der Deutschen Regionaleisenbahn und der Deutschen Bahn zur Übernahme der Infrastruktur zwischen Wernerwerk und Gartenfeld blieben 2008 ergebnislos.

Seitdem die Strecke außer Betrieb ist, haben die Deutsche Bahn AG oder die Bezirke Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf, in denen die Bahnstrecke verläuft, nur wenige Erhaltungsarbeiten an den verfallenden und verwildernden Gleisanlagen, dem Unterbau und den Bahnhöfen durchgeführt.

Stillgelegte Siemensbahn (S-Bahn) Teil 1


Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Siemensbahn

Flughafen Tegel schließt endgültig

24/10/2020

Am 8. November schließt der Flughafen Tegel. Ein Airbus der Air France fliegt um 15 Uhr nach Paris – und das war’s dann mit dem Airport der kurzen Wege. Air France hatte Tegel eröffnet, das Gelände lag ja im Sektor der französischen Schutzmacht. Der letzte Flug ist also auch ein kleines Symbol.

Wer, wie ich: noch nicht direkt am Flughafen zum fotografieren war, sollte sich nun schleunigst beeilen! Selbst weiß ich noch nicht, ob ich das noch schaffen werde.
Und auch der Blickfang der Einflugschneise am Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf wird dann wohl Geschichte sein und damit wohl auch der extra Anziehungspunkt für den Biergarten Clou Corner.

Quelle:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/txl-schliessung-am-8-november-der-letzte-flug-von-tegel-geht-mit-air-france-nach-paris/26229460.html

Fotomarathon abgesagt

23/10/2020

Ende August hatte ich mich für den nachgeholten Fotomarathon angemeldet, der ja im Sommer Corona-bedingt verlegt werden musste.
Gerade in diesem Jahr hätte er mir sehr viel bedeutet; sogar ein kleines Konzept hatte ich anfangs schon parat, was sich nun nicht umsetzen lässt.

Im September hatte ich mir ja fast den Zeh gebrochen, der mittlerweile wieder ganz gut verheilt ist. Aber ich bin eben immer noch krank, die Entzündung, die ab März noch in den Lungen saß, sitzt nun woanders und das schon den ganzen Oktober, auch wenn ich gerade das Gefühl habe, das es so langsam besser wird. Da kann man keinen Fotomarathon machen, das geht nicht.
Ich lag also die ganze Zeit flach (fühle mich immer noch k.o.)  und hatte daher auch so viel Zeit, meine To-Do-Liste mit vergangenen Foto-Touren etwas umfangreicher zu bestücken.

Fotomarathon digital und doch vor Ort

Der diesjährige Fotomarathon ist kontaktlos und so richtig digital! Fotomarathon schreibt:

10:00 Uhr: Es geht los! Per Mail erfahrt ihr das Rahmenthema und die ersten 5 Einzelthemen. Es ist wichtig, dass ihr das Rahmenthema bei eurer Motivsuche immer vor Augen habt, damit es am Ende eine stimmige Reihe wird.
14:00 Uhr: Per Mail erhaltet ihr die letzten 4 Themen, die ihr dann bis 19:00 Uhr spätestens fotografiert haben müsst. Eure Bilder könnt ihr dann bis 23:59 Uhr unter http://www.weTransfer.com hochladen. Genaue Infos folgen noch.
19.00 Uhr: Die Fotoserie muss hochgeladen werden. Weitere Details werden per Email folgen.
Wenn ihr analog fotografiert, müsst ihr euren Film bis 26.10.2020 zu uns schicken. Die genaue Anschrift schicken wir euch noch per Email zu. (Quelle: Fotomarathon)

So gesehen könnte man den Fotomarathon vielleicht sogar zu Hause machen. Aber, ist das dann noch ein „Marathon“? 😉 Ich mache es dann wie in 2013, wo Kreativität fremd gehen durfte und man dafür das Siegertreppchen bekam. 😎😁

Auf jeden Fall ist es ne coole Idee, das es so umgesetzt werden konnte, das es die Möglichkeit einer Alternative gibt.
Die Ausstellung dazu soll in diesem Jahr evtl. in einer 3D-Ausstellung sein.

Dann wünsch ich allen Teilnehmern morgen mal „Gut Licht“ und viel Spaß!

Fotomarathon Desaster 2012 - Abbruch

P.S. Das mit WeTransfer -wie oben von Fotomarathon verlinkt- ist ne gute Sache, was ich lange Zeit schon nutze, wenn mal viele Fotos von A nach B transportiert werden sollen und man das nicht in einer Email schicken mag!

Das Cafe Moskau

20/10/2020

Für viele Menschen in der DDR blieb ein Besuch des Café Moskau ein Traum, denn das rechteckige Gebäude mit dem nüchternen Schriftzug auf der Karl-Marx-Allee war ein Ort, an dem man etwas mehr Geld brauchte, um feiern und essen zu können.
Das Café und eigentlich Restaurant war einer der architektonischen Hingucker des Regimes. Damals war das Café Moskau ein eines von sieben sogenannten Nationalitätenrestaurants Ost-Berlins.
Haus Budapest, Haus Warschau, Haus Bukarest, Sofia, Praha und Morava gibt es längst nicht mehr. Sie haben die Wendezeit nicht überstanden, nur das Café Moskau trägt noch heute seinen Namen.

Das Cafe Moskau in der Karl-Marx-Allee (2011)

Modern und international im Internationalen Stil wollte sich der junge Sozialismus im Berlin der 60er Jahre präsentieren und bemühte sich dafür um Reproduktion des architektonischen Stils der Sowjetunion.
Ganz bewusst wurde für das erste große Bauvorhaben die Karl-Marx-Allee zwischen Straus­berger Platz und Alexander­platz in der Mitte Berlins auserkoren. Gerahmt von stattlichen Bauwerken mit kunstvollen Fassaden sollte die Prachtallee für Bewohner und Besucher die Vormachtstellung des Sozialismus und dessen Sieg symbolisieren.

So wurde eine Reihe innovativer Prunkbauten geplant, wie die legendäre Mocca-Milch-Eisbar und das gegenüberliegende Kino International mit dem 1996 abgerissenen Hotel Berolina (was heute als Nachbau das Bürgeramt Rathaus-Mitte ist).
Zum Herzstück jener charakt­eristischen Bauten wurde jedoch als künftige Vorzeige-Restauration der DDR das Café Moskau auserkoren.

Auf Wunsch des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht wurde das Cafe Moskau 1959 nach den Plänen der Architekten Josef Kaiser, Horst Bauer und Werner Dutschke als ein Nationalitäten­restaurant konzipiert.
Auf diese Art wollte man die Verbundenheit und Nähe zu den sozialistischen Bruderstaaten mani­festieren. Durch ihre ländertypischen Küchen und Veranstaltungen sollten diese Restaurants den Ost-Berlinern Einblicke in kulinarische und kulturelle Bräuche der befreundeten Länder eröffnen.
Mit insgesamt 600 Gaststättenplätzen war das Cafe Moskau geplant und wurde von 1961 bis 1964 errichtet.

Den Eingangsbereich zur Karl-Marx-Allee 34/Ecke Schillingstraße schmückt das 9 × 15 Meter große Mosaik „Aus dem Leben der Völker der Sowjetunion“ des Malers Bert Heller. Der Namenszug auf dem Dach in latei­nischen und kyrillischen Lettern wurde von dem Grafiker Klaus Wittkugel entworfen.
1965 schuf der Bildhauer Fritz Kühn einen 2,5 Meter hohen Stahlbrunnenkugel für den Innenhof.

Der Sputnik, das Wahr­zeichen über dem Dach, steht für besondere Begegnungen und erstklassige Veranstaltungen mit einer Strahlkraft, die weit über Berlin hinausgeht. (moskauberlin.net)

Zur Eröffnung wurde der Sputnik in Originalgröße, ein Geschenk des Botschafters der UdSSR, angebracht.

Das Cafe Moskau in der Karl-Marx-Allee (2019)

Hinter seiner lichten Glasfassade bot das Café Moskau als Ort gehobener Gastlichkeit über 3.000 qm Veranstaltungsfläche, offerierte den Gästen eine großzügige Rauman­ordnung und vielfältige Nutzungs­möglichkeiten auf drei Ebenen.
Im Erdgeschoss waren alle Räum­lichkeiten von einem rundum verglasten offenen Atrium erreichbar; das brachte Transparenz und Licht in die Galerie ebenso wie in den Laden für sowjetische Volks­kunst und Salons wie den Steingarten oder die Natascha-Lounge.
Im Obergeschoss boten ein weitläufiges Konzert- und Tanzcafé Zerstreuung, Tee- und Mokka­stuben luden zum Verweilen ein.
In dem im Untergeschoss befindlichen Nacht­club, der mit hochwertigen Tischler- und Fliesen­arbeiten und kostbaren Marmorböden ausgestattet war, wurde getanzt.

Das Haus war beliebt, es erlangte schon bald den Nimbus einer Ikone, und es genoss internationalen Ruf.
In seiner Blütezeit repräsentierten und feierten im Café Moskau bis zu 800 Personen in gehobenem Ambiente, umsorgt von bis zu 160 Angestellten. Café Moskau – das war Ost-Berliner Nachtleben auf höchstem Niveau.

Das Cafe Moskau in der Karl-Marx-Allee (2011)

Nach der politischen Wende ging auch hier die Immobilie an die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG Immobilien) über und stand lange Zeit leer.
Nach dem Jahr 2000 wurde das Café Moskau für unterschiedliche Veranstaltungen, kulturelle Aktivitäten und als Treffpunkt wiederbelebt.
Von 2002 bis 2004 war der WMF Club mit der gastronomischen Leitung betraut, bespielte die Nachtbar mit wöchentlichen Club-Abenden und gelegentlich auch alle anderen Bars.
Wöchentlich fand sonntags bis zu deren Umzug ins Week-End im Haus des Reisens die schwul-lesbische GMF-Party statt.

2010 wurde das Cafe Moskau durch das HSH Architekturbüro saniert. Die (archivierte) Pressemappe samt Innenausstattung kann man hier einsehen. Das Cafe Moskau steht unter Denkmalschutz.

Wesentliche Teile der erfolgreichen Film-Komödie „Alles auf Zucker!“ (2004) wurden in den Räumlichkeiten des Café Moskau gedreht.


Quellen:
https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/cafe-moskau-solange-nur-der-rubel-rollt-li.9198
http://web.archive.org/web/20111002161104/http://moskauberlin.net/index.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Café_Moskau
https://deu.archinform.net/projekte/18080.htm
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09011370
https://www.zeit.de/kultur/karl-marx-allee/index.html#prolog
https://www.grandtourdermoderne.de/orte/ortedetails/159/
https://www.tagesspiegel.de/berlin/liebesgruesse-aus-dem-cafe-moskau/332350.html
https://www.ddrbildarchiv.de/info/ddr-fotos/cafe-moskau-innenhof-plastik-fritz-kuehn-berlin-19730.html
http://web.archive.org/web/20091223092058/http://www.sei.berlin.de/live-dabei/berlin-auf-tour/berlin/ewerk-moskau
https://www.berliner-zeitung.de/nicolas-berggruen-hat-sich-einst-in-das-ost-berliner-cafe-moskau-verliebt-jetzt-gehoert-es-ihm-und-nirgends-stalinismus-li.9195
https://www.flanieren-in-berlin.de/bezirke/friedrichshainkreuzberg/stalins-ohr-und-tierskulpturen.html

Klicke, um auf HSH_Architekten_Pressemappe_Cafe_Moskau_101029_web.pdf zuzugreifen

 

Das Kino International

20/10/2020

Kino International mit Blick auf die ehemalige Mokka-Milch-Eisbar, dahinter die Türme am Straußberger Platz (2011)

Auf der Karl-Marx-Allee (damals Stalinallee) zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz in Berlin-Mitte entstehen 1959 bis 1965 die ersten industriell gefertigten Wohngebäude in Plattenbauweise.

Doch der sozialistische Wohnkomplex an der Karl-Marx-Allee in Mitte soll mehr sein als nur ein Ort zum Wohnen. Er erhält 1961 bis 1964 sein eigenes städtebauliches Zentrum: Zusatzgebäude für Kultur und Geselligkeit, wie das vom Kino International gegenüber liegende Café Moskau oder die Mokka-Milch-Eisbar links daneben.
Den Entwurf für diese Zusatzgebäude zeichnet der Architekt Josef Kaiser, der auch das Kino Kosmos und das Cafe Moskau entworfen hatte, aber auch Heinz Aust. Als ehemaliger Chefplaner der Stalinstadt Eisenhüttenstadt hat sich Kaiser Anfang der 1950er Jahre am Zuckerbäckerstil orientiert.
Jetzt sucht er den Anschluss an die Entwicklung im Westen. Unverkennbar ist die Ähnlichkeit des Kino International mit den seinerzeit neuesten Veranstaltungsbauten aus West-Berlin: Zoo-Palast und Deutsche Oper.

Kino International (2011)

Der Stahlbetonskelettbau mit heller Sandsteinverkleidung an der Karl-Marx-Allee 33 ragt mit seinem Obergeschoss über die Eingangshalle hinaus und öffnet sich mit raumhohen Fenstern zur Straße, an den Seitenflächen sind Reliefs in die Fassade eingeschnitten.
Das Großraumkino, welches heute zur Yorck-Kinogruppe gehört, wurde 1963 unter Anwesenheit des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht eröffnet und diente in der DDR bis 1990 als Prestige- und Premierenkino.
Durch seine leichte und luftige Funktionalität unterscheidet es sich grundlegend von den in den 1950er Jahren fertiggestellten Gebäuden der übrigen Karl-Marx-Allee.

Als Zeugnis der architektonischen Moderne steht das Kino seit Beginn des 21. Jahrhunderts unter Denkmalschutz. Nach 1990 wurde der Kinosaal denkmalgerecht umgebaut und die Bestuhlung ausgewechselt.
Das meiste im Filmtheater ist aber tatsächlich noch Original: der Marmorboden, die 20.000 Ostmark teuren Leuchter aus böhmischem Glas, Möbel aus Esche und Ahorn, die schweren Vorhänge im ersten Stock, die früher im Sommer immer geschlossen waren.
Selbst der hölzerne Bargeldteller an der Bar existierte schon 1975. Lediglich der abgetretene Parkettboden aus Tropenholz im ersten Stock wird die Sanierung wohl nicht überstehen, weil Material und Verarbeitung den EU-Normen widersprechen.

Zu DDR-Zeiten organisierte der im Obergeschoss sich befindende Jugendclub „Klub International“ Konzerte mit neuen Bands. Weiter gab es ein Büro des Oktoberklubs und auch die Stadtbezirksbibliothek fand in den Räumlichkeiten Platz.
Im Kino International wurden zahlreiche DEFA-Filme uraufgeführt, zuletzt am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls mit Heiner Carows: „Coming Out“. Seit den späten 1990er Jahren dienen die Räumlichkeiten des Kinos International zu regelmäßig stattfindenden schwul-lesbischen Partys.

Die 8. Reihe des Kinos, in der man eine optimale Sicht hat, war für die Partei- und Staatsführung reserviert und mit einer besonderen Beinfreiheit versehen. Vor und nach den Premieren hielten sich die Besucher der Staatsführung im „Repräsentationsraum“ (heute: Honecker-Lounge) auf. Im Keller wurden für die Staatsführung ein wenige Personen fassender Atombunker und im Gebäudeinneren ein Aufzug nachträglich eingebaut.

Auch das ist das Kino International: Farbe bekennen. Entstanden beim 3. Pegida-Aufmarsch 2015, der in der Karl-Marx-Allee gestoppt wurde

Wenn man das Kino International von allen Seiten betrachtet, stellt man fest, das die anderen drei Seiten überhaupt keine Fenster haben. Die Fassade besteht aus einem Relief der Künstler Waldemar Grzimek, Karl-Heinz Schamal und Hubert Schiefelbein.
Deren 14 Betongussplatten tragen den Titel: „Aus dem Leben heutiger Menschen“, zeigen aber vielmehr eine utopische Zukunftsvision: einen Ingenieur, der futuristische Maschinen steuert. Einen Schwerarbeiter, dessen Körperkraft nicht mehr gebraucht wird und der deshalb ein Buch studiert.

Im 21. Jahrhundert wird das Kino International von zahlreichen Filmemachern aufgrund seines Ambientes wieder als Premierenkino genutzt und ist weiterhin Spielstätte im Rahmen der Berlinale. Es ist beliebt bei den Berliner Kinogängern als Kino mit Tradition und besonderer Atmosphäre.

Filmplakat Kino International (2011)

Die sehr großen Filmplakate des Films der Woche an der Außenseite des International werden per Hand von Filmplakate-Malern des Studios „Werner Werbung“ aus Reinickendorf gezeichnet und sind ein echter Blickfang.


Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kino_International
https://www.visitberlin.de/de/kino-international
https://www.bz-berlin.de/kultur/kino-international-filmreif-mit-bunker-und-honecker-lounge

Kino International in Berlin


https://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09011370
https://thelink.berlin/2016/07/kino-international-dietrich-worbs-gebr-mann-verlag/
https://www.flanieren-in-berlin.de/bezirke/friedrichshainkreuzberg/stalins-ohr-und-tierskulpturen.html

Kunst im Heim & LKW Tatra Motokov

19/10/2020

Seit Wochen durchforste ich nun schon meine gesamten Foto-Archive. Tausende von Fotos schlummern auf der Festplatte.
Interessanterweise ist das sehr entspannend. Aber ich wusste es – das mir die alten Fotos vom Kino International, Cafe Moskau und einige andere Bauten auf der Karl-Marx-Allee erhalten geblieben waren; fragte sich nur: wo!

Schon seit längerer Zeit fotografiere ich u.a. auch die „Häuser der/des“ (Statistik, Reisens etc.), was vorrangig -aber nicht nur- DDR-Architektur ist.
2018 (bzw. schon sehr viel früher) hatte ich beginnend mit den Mauerspuren – mir später auch dieses Thema zu Eigen gemacht.
Blöd war nur, das zu diesem Zeitpunkt die Bauarbeiten auf der Karl-Marx-Allee schon zu Gange waren, was natürlich Fotos ganz schön verschandelt.
Drum war ich glücklich, zumindest vom Kino International noch ein paar super Aufnahmen aus dem Jahr 2011 zu haben, was dann gesondert kommt.

Hier ist das ehemalige „Kunst im Heim“ im Vordergrund zu sehen; ich war anfangs erst irritiert, weil es ja die Mokka-Milch-Bar nicht sein kann. Nein, es ist ein weiterer Pavillon, wie es noch einige (Bar Babette etc.) in der Karl-Marx-Alllee gibt. Aber dazu später, wenn dazu alle Fotos im Kasten sind.

Kunst im Heim & LKW Tatra Motokov (2011)

Ehemals „Kunst im Heim“, gebaut von 1960 bis 1963 ist ein denkmalgeschützter Ausstellungspavillon in der Karl-Marx-Allee 45 in Mitte.

Wenn der Herbst im Moor steht

18/10/2020

Teufelsbruch und Nebenmoore im Oktober 2018 (Spandauer Forst)

Moor, Wald, Licht und ein Schweinehirt mit Wildschweinen

Eigentlich gehört dieser Beitrag rückdatiert in den Herbst 2018. Da ich aber in diesem Jahr im Zuge durch Corona mit Sicherheit (mit BVG) nicht ins Teufelsmoor kommen werde und mir das mit dem Rad zu weit ist, zumal ich dort ja eigentlich noch spazieren gehen wollen würde, mache ich einen aktuellen Beitrag draus.

Erst einmal: ich bin verliebt in diese Fotos! Und noch mehr in den Spandauer Forst, was vor allem die Moore betreffen. Quasi ein Sehnsuchtsort, wenn ich mir die Bilder dazu anschaue.
Dort war ich am 31. Oktober 2018 „unterwegs mit Barbara“ – mit Startpunkt an der Grenze zu Brandenburg, weil wir das Aalemannufer irgendwie verpasst hatten. Für diese eine Haltestelle im C-Bereich (als wir merkten, wir waren zu weit) mussten wir noch den Zuschlag zahlen.
Wir waren also bis Papenberge/Spandauer Landstraße gefahren, also vier Haltestellen weiter, wo wir auch von dort aus in Richtung Wald einbogen.
Mit der Buslinie 136 fährt man eigentlich bis zur Haltestelle Aalemannufer, wo die Wanderung direkt gegenüber in den Spandauer Forst startet.

Teufelsbruch und Nebenmoore im Oktober 2018 (Spandauer Forst)

Hätte ich die Holzskulpturen des Schweinehirten mit den Wildschweinen nicht fotografiert, wüsste ich heute nicht mehr, wo wir in etwa waren. Aber diese Motive lassen Rückschlüsse darauf zu, das wir im Teufelsbruch samt Nebenmooren waren. Später entlang auf Holzpfaden.
Die Seite: Outdoor aktiv und ökologisch beschreibt diese Skulpturenansammlung als „Wildschwein-Rastplatz“.

Teufelsbruch und Nebenmoore im Oktober 2018 (Spandauer Forst)

Der Schweinehirt ist von einem Mitarbeiter der Berliner Forsten mit der Motorkettensäge aus einem massiven Stamm geschnitzt worden. Um ihn herum findet man einige “Wildschweine”, die ausnahmsweise auch gestreichelt werden dürfen.
Zusätzlich steht an dieser Kreuzung eine große hölzerne Sitzecke, die zu einer Rast einlädt (was vielleicht in kälteren Tagen nicht besonders vorteilhaft ist).

Das Gebiet steht unter Naturschutz, deren Entstehung aus einem See heraus war und sich zu einem artenreichen Feuchtbiotop entwickelte. Durch starke Einschnitte, wie z.B. Aufschüttungen für den Dammweg und die “Bötzow-Bahn”, wurde das ursprünglich deutlich größere Moorgebiet zu der jetzigen Größe verkleinert.
Im Jahre 1933 wurde dieses Gebiet auf Grund seiner seltenen Pflanzen- und Tierarten unter Schutz gestellt.

Teufelsbruch und Nebenmoore im Oktober 2018 (Spandauer Forst)

Das Naturschutzgebiet „Teufelsbruch und Nebenmoore“ nimmt eine Fläche von 48 Hektar ein. Es liegt im östlichen Teil des Waldes nahe der Niederneuendorfer Allee. Noch im 19. Jahrhundert stellte das heutige Teufelsbruch einen See dar und hieß damals Teufelssee (nicht zu verwechseln mit dem Teufelssee im Forst Grunewald).
Das Teufelsbruch stellt ein ausgedehntes, mit Wald und Gebüsch bewachsenes Moor dar, in dem unter anderem rund 240 Pilzarten sowie über 550 Käfer- und 150 Spinnenarten registriert wurden. Durch Bewässerungsmaßnahmen konnte der Lebensraum des vormals aus dem Spandauer Forst nahezu verschwundenen Moorfrosches wiederhergestellt werden.
Durch ein Wanderwegenetz kann das Teufelsbruch gut besichtigt werden, ohne die Flora und Fauna zu stören. In dem ab 1994 entstandenen nahegelegenen Wohnquartier Aalemannufer in Hakenfelde erhielt eine Straße den Namen „Am Teufelsbruch“.

Im späten 18. und im 19. Jahrhundert wurde der See vor allem zum Fischen genutzt, was in einer Sage zu diesem See wie folgt beschrieben ist:

„Anstelle des Sees soll es ehedem ein Dorf gegeben haben, das durch das Wirken des Teufels im Wasser versank. Noch viele Jahre später sei unter der Wasseroberfläche die Spitze des Kirchturms zu sehen gewesen, an dem auch häufig die Netze der Fischer zerrissen.
Die Neugier ließ die Bewohner nicht ruhen, sie versuchten den Seegrund und vor allem auch die Seetiefe zu ergründen, doch immer waren ihre Lote zu kurz. Nach dem Fang eines besonders großen Barsches erschallten aus der Tiefe Geisterstimmen, die die Rückgabe des Fisches forderten, sonst würde es den Menschen schlecht ergehen. Nach einigem Zögern trugen sie ihren Fang zurück und der Barsch verschwand mit einem weiten Satz im See.
So ist seitdem weder den Fischern ein Unglück geschehen, noch haben sie jemals wieder einen solchen kapitalen Fisch an Land gezogen. Die Geisterstimmen aber sind verstummt und den Kirchturm hat seitdem auch niemand mehr gesehen.“ – (Quelle: Der Stralauer Fischzug. Sagen, Geschichten und Bräuche aus dem alten Berlin. Verlag Neues Leben Berlin 1987)

Wenn man über die Brücke „Oberhavelsteg“ bis zum Aalemannkanal gelangt, kommt man dort zu einer Fähre, die einen zum gegenüberliegenden Ortsteil Tegelort übersetzt (wer Lust hat, kann für kleines Geld „drüben“ am anderen Ufer noch etwas spazieren.) Am Kanal entlang kommt man wieder zur Bushaltestelle für die Rückfahrt.

Wer möchte, kann auch einen Abstecher zur „Dicken Marie“ machen, die allerdings nicht direkt in dieser Route – sondern im Tegeler Forst liegt. Diese Stieleiche und gilt als ältester Baum Berlins – man vermutet, er sei 900 Jahre alt. Den Namen erhielt die Dicke Marie von den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt, die auf Schloss Tegel aufwuchsen und den dicken Baum nach der Köchin des Hauses benannte.

Beim nächsten Mal möchte ich mir auf jeden Fall das Wildtiergehege (ebenfalls im Tegeler Forst) näher ansehen, wo Wildschweine, Muffelwild und Damwild beobachtet (und fotografiert) werden kann. Ähnliches hatte ich 2015 im Mühlenbecker Land unternommen, wo ich letztendlich aber noch etwas ganz anderes zum fotografieren fand und im Jahr 2011 konnte ich Brandenburg´s Wälder gold-orange festhalten.

Wenn man ganz hartgesotten ist, geht man dort zu Morgengrauen hin. Wenn die erste Sonne durch die Wipfel scheint oder sogar Frühnebel den Wald schaurig-schön verhüllt.
Ich kann diese Strecke jedenfalls sehr empfehlen; um dort ein bisschen auszuspannen und das Gefühl von viel guter Luft wieder zu bekommen!


Quellen:
https://www.berlin.de/forsten/walderlebnis/ausflugstipps/nordwesten/durchs-teufelsbruch-zum-schweinehirten-876717.php
https://www.berlin.de/senuvk/natur_gruen/naturschutz/schutzgebiete/de/nsg/nsg12.shtml
https://www.oekologisch-unterwegs.de/wanderungen/berlin/165-tour-092-wanderung-um-den-teufelsbruch-im-spandauer-forst.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Tegeler_Forst
https://de.wikipedia.org/wiki/Spandauer_Forst
http://www.berliner-moorboeden.hu-berlin.de/content/moorgebiete/stbf-teufelsbruch-nebenmoore.php
https://www.komoot.de/tour/22161222https://www.ich-geh-wandern.de/rundwanderung-in-den-tegeler-forst-berlin

10 magische Wanderungen rund um Berlin


https://www.komoot.de/highlight/74065
http://web.archive.org/web/20120630145552/http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/ausflugstipps/de/2006/februar.shtml

Herakut in Berlin

17/10/2020

Meine erste und kleine Serie aus 3 Motiven

Schon sehr frühzeitig wurde ich in meiner Streetart-Fotografie ab 2009 auf Herakut aufmerksam; einem deutschen und mittlerweile Berliner Künstlerduo – bestehend aus Jasmin Siddiqui (Hera) und Falk Lehmann (Akut).
Seit 2004 sind die beiden international tätig und schaffen unter anderem Wandgemälde (Murals) im öffentlichen Raum, wie nachfolgend in München:

Im Rahmen des Leuphana Urban Art Projects (Artotale) waren im Jahr 2009 Künstler aus Europa, Nord- und Südamerika sowie Afrika nach Lüneburg eingeladen worden, um den Stadtraum mit ihren Werken zu „erobern“.

Dort entstand auch: „Art doesn`t help people, people help people“, was mich sofort begeisterte. Aber: Lüneburg war für mich zu weit weg. Es gibt viele Menschen, die durch Deutschland und die halbe Welt reisen, um die Kunst von Herakut fotografisch zu „konservieren“ versuchen. Ich gehöre nicht dazu.

2014/2015 dann entdeckte ich beim fahren mit der S-Bahn in Berlin-Friedrichshain das für  mich „erste Herakut“ mit dem Titel: „Monkey See. Monkey Do.“.
Ich weiß noch, das es von mir einige Anstrengungen gab, dieses Mural zu finden, aber es sollte nicht sein. Vermutlich ist es mittlerweile schon dem Abriss zum Opfer gefallen.

Prenzlauer Berg

Nur kurze Zeit später malte Herakut ihr Werk: „If I Knew The World Ended Tomorrow, I’d Still Plant An Apple Tree Today“ an die Häuserwand Nahe der S-Bahnstation Greifswalder Straße im Prenzlauer Berg.
Im Nachgang hatte ich mich geärgert, das ich nicht schon 2015 auf das Mural aufmerksam wurde, als noch die dezent blaue Farbe das Kunstwerk vervollständigte. Aber ab 2015 hat sich bei mir vieles verändert, mit vielen Baustellen, die über mich kamen, woran ich heute noch zu knabbern habe (weswegen das Bloggen für mich auch so wichtig ist).
So ist nun mal das Leben, aber auch die Streetart. Beides ist vergänglich.

„Wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen.“ Dieses Zitat Martin Luthers ist die Kernbotschaft der Brandwand der Heinrich-Böll-Bibliothek in der Greifswalder Straße, welches sich weit sichtbar über den Dächern der näheren Umgebung erhebt.
Die folgenden Fotos sind mit der Kamera, aber auch mit dem Smartphone aufgenommen worden:

Herakut: „Wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen.“

Somit wurde der „Apfelbaum“ das für mich erste Herakut in meiner kleinen Sammlung. Nicht unter den besten Bedingungen aufgenommen (siehe Corona-Foto-Tagebuch), machte es mich aber sehr glücklich und hatte für mich zum Zeitpunkt der Aufnahme noch eine ganz eigene Bedeutung; u.a. auch im Zuge meiner eigenen Erkrankung.

Moabit

Bei einer Radtour Ende Mai in Moabit entdeckte ich dann endlich auch:As Long As You Are Standing, Give a Hand To Those Who Have Fallen.“, woran ich zuvor schon unzählige Male vorbei gefahren und es mir nicht aufgefallen war.
Das Mural: “Solange Du aufrecht stehst, unterstütze die, die Dich brauchen” in Zusammenarbeit mit Onur und Wesr21 bildet verschiedene Elemente ab, die unter anderem einen Jungen, einen Elefanten und eine Maus abbilden.
Das Besondere dabei: die abgeschnittenen Stoßzähne des Elefanten ragen dabei aus dem Bild heraus und über das Gebäude hinaus.
Kurz bevor es anfing zu regnen, konnte ich noch ein paar Aufnahmen mit dem Smartphone machen:

Herakut: “Solange Du aufrecht stehst, unterstütze die, die Dich brauchen”

Kreuzberg

Abschließend gibt es noch ein Pic vom Juli aus Kreuzberg. Da es mir an dem Tag sehr schlecht ging, blieb es nur bei wenigen Smartphone-Fotos. Vielleicht bin ich ja irgendwann dort mal wieder in der Nähe und dann kann das nachgeholt werden.
My Home Might Be No Palace. But We Can Share It If You Like“ („Mein Zuhause mag kein Palast sein, aber wir können es gerne teilen, wenn du möchtest) entstand 2018 im Zuge des Mural Fest in Kreuzberg (Luckauer Straße). Zumindest war ich diesmal schneller, was die Farben betrifft:

Herakut: "Mein Zuhause mag kein Palast sein, aber wir können es gerne teilen, wenn du möchtest."

Schön, von Herakut nun endlich eine kleine Sammlung zu haben – auch wenn ich mir gewünscht hätte, das die Umstände dazu bessere gewesen wären. Aber wer weiß, vielleicht hätten sie dann ganz anders auf mich gewirkt…


Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Herakut
flickr.com/photos/pharoahsax/galleries/72157690246109823/
gewobag.de/ueber-uns/presse-und-medien/weltweit-gefragtes-streetart-duo-herakut-stellt-berliner-mural-fertig-einladung-zur-vernissage/
rap-n-blues.com/herakut-wes21-onur-mural-kollabo-in-berlin-moabit/69371/

If I Knew The World Ended Tomorrow, I’d Still Plant An Apple Tree Today.


flickr.com/photos/ferdinandfeys/31407351846/
flickr.com/photos/ferdinandfeys/23729057371/
flickr.com/photos/ferdinandfeys/23247692789/

 

Ich weine! Um das nun ehemalige Ballhaus Riviera!

07/10/2020

„Ballhaus Charleston – Dance with me!“

So nannte ich mein Album im Sommer 2013, als ich zweimal im August nach Köpenick fuhr, um ein paar letzte Fotos von diesem einzigartigem Ensemble zu machen, dem schon da das Ende voraus gesagt war.
Man versucht halt, so lange wie möglich die Location szenefremd „geheim“ zu halten, um sie vor Vandalismus zu schützen, von Bränden bzw. Brandstiftungen gar nicht erst zu reden – vor allem oftmals (erst) dann, wenn es einen neuen Investor gibt.
Aber jetzt ist es vorbei! Jetzt stehen nur noch die Grund- bzw. Außenmauern.

Die Fotos in meinem Flickr-Ordner sind nicht dolle, außer die Ablichtung mit der – ich würde ja fast sagen, orientalisch maurischen Architektur.
Leider finde ich dazu im Internet nichts auf die Schnelle, ich bin mir aber sicher, mich damit 2013 befasst zu haben. Hoffe ich mal, das ich diese Quelle dazu noch einmal aufstöbern kann!

Meine eigentlichen Fotos habe ich nie wirklich bearbeitet, bei mir ist einfach so viel im Rückstau, was unterschiedliche Locations betrifft. Denn eigentlich braucht es dazu HDR-Bearbeitung, wie auf nachfolgendem Foto zu sehen ist. Dafür habe ich jetzt Aurora, womit ich mich noch etwas beschäftigten muss.

Seit 2020 das ehemalige "Ballhaus Riviera", Foto aus 2013

Die Berliner Zeitung schrieb Anfang des Jahres: „Fast nichts mehr übrig von Riviera und Gesellschaftshaus“ und die Fotos, die man dazu finden kann, machen fassungslos. Das denkmalgeschützte Ballhaus wurde quasi von innen abgerissen, es stehen nur noch die Außenmauern.

„Im Haus Riviera wurde die Decke im Innern entfernt, der Fußboden wird ausgebaggert, alle Nebengebäude sind abgerissen“, so Schultze. Nur die Riviera-Außenwände und das Dach stehen noch, alle historischen Details seien fort.

Ein ähnliches Bild bietet sich im benachbarten Gesellschaftshaus: „Sogar die Decke des gut erhaltenden Saals und der Stuck wurden entfernt“, sagt Schultze. Schon früher hatte er beklagt, dass nach dem Gesellschaftshaus-Brand vom Juli 2019 offenbar mehr Bausubstanz abgerissen worden sei als nötig. So sei etwa die Veranda des Gebäudes nach dem Feuer vollständig erhalten gewesen. Inzwischen ist sie verschwunden.

Mehr an Details ist bei: http://www.riviera-retten.de/ nachzulesen.

Das Ballhaus war für mich ein Sehnsuchtsort. Aus der Traum, das daraus irgendwann mal noch ein abgewandeltes 2.0 starten könnte. Und nun ist es noch viel schlimmer: Es ist nicht mehr da. Außer auf die Außenwände.

400 Fotos habe ich. Das ist der Nachteil beim Urban Exploring. Die vielen Belichtungsreihen, die eine massive Fotoanzahl ergeben, die im Nachgang alle noch durchgeklickt und teilweise „durch bearbeitet“ werden wollen.
Da weiß ich ja, was ich in der nächsten Zeit in Sachen Fotografie zu tun habe!

Weitere Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Riviera_(Berlin) und https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaftshaus_Grünau

„Du bist hier nicht in New York, sondern in Dessau!“

03/10/2020

„Dessau Dancers“ und ein (Rück)-Blick auf die Subkultur

Im April, wo draußen nicht viel los war und los sein durfte, verfiel sicherlich nicht nur ich dem heimischen DVD-Kino. Viele hatten auch bei Netflix konsumiert oder waren den Online-Videotheken verfallen, auch: um dem großen Thema rund um Corona etwas „zu entkommen“.

Pünktlich zu dieser „Seuchen-Saison“ kam „Dessau Dancers“ nochmals auf die Leinwand. Als Kinofilm hatte er 2015 Uraufführung und gesehen hatte ich ihn erstmals 2017 in der ARD. „Wie der BreakDance ›fast‹ sozialistisch wurde“.

Rückblick:
Break Dance ist ein (westlicher) Musik- und Tanzstil mit Entstehungsgeschichte in den USA. 1985 kam der Film: „Beat Street“ auch dank Harry Belafonte in die Kino´s der DDR und wurde von Beginn an legendär.
„In der DDR erfreute sich der Film ungeahnter Popularität und führte zur Gründung zahlloser Vereinigungen, die sich ausschließlich mit Breakdance, Hip-Hop und Graffiti beschäftigten“ – und das nicht unbedingt im Sinne der sozialistischen Staatsmacht. Ursprünglich sollte der Film nämlich die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung zeigen und abschreckend wirken. Hat dann aber nicht geklappt, im Gegenteil.

Dessau Dancers beinhaltet Strukturen wahrer Begebenheiten, ist aber mehr (Mainstream)-Komödie für die Abendunterhaltung, statt als Subkultur zu verstehen. Auf gut deutsch: er ist ganz nett, aber schön ist was anderes. Lachen und stumpfer Humor sind bei solchen Themen rund um die DDR tatsächlich sehr wichtig, weshalb ich auch Komödien über das einstige kleine Land – welches so groß sein wollte: sehr mag. Aber: gut muss es sein!

Bereits 2012 sah ich mir im Hamburger Kino 3001 den Film: „This Ain´t California“ an. Ein Film, der mehr aus der Skaterszene (Skateboard) der ehemaligen DDR berichtet. Diese fiktionale Dokumentation hatte mich doch damals völlig in den Bann gezogen, da zogen viele Emotionen mit.
Dessau Dancers konnte da natürlich nicht mithalten, weil es mehr urkomische Komödie, als fiktionale Darstellung war. Amüsant war er dennoch (und manchmal begleitet mit ein bisschen fremdschämen).

Screenshot Film "Dessau Dancers"

Das Dessauer Stadtmagazin LEO schrieb dazu:

Dessau im Sommer 1985: Der 18-jährige Frank sieht im Kino den Film „Beat Street“ und entdeckt seine Leidenschaft für den Breakdance.
Als „Break Beaters“ werden er und seine Freunde schon bald zur besten Crew der DDR und ziehen auch die Aufmerksamkeit der Stasi auf sich. Als „akrobatische Schautänzer“ werden sie zum Aushängeschild des Staates – und zu politischen Marionetten. Doch Frank beginnt, zu rebellieren.
„Dessau Dancers“ trägt die Stadt zwar im Namen und spielt auch dort, gefilmt wurde 2013 aber vor allem in Halle. Unterhaltsam ist der Jugendfilm trotzdem.

Wer sich für die wahre Geschichte dahinter interessiert, greift dagegen lieber zur Dokumentation „Here we come“ von Nico Raschick aus 2006 – die aktuell allerdings weder als legaler Download noch auf DVD zu haben ist:

Dessau/Leipzig/Dresden/Berlin/Wolgast/Gö­rlitz …die DDR in den 80ern. Erst von allen verurteilt und ausgegrenzt, entwickelt sich Breakdance zu einer wichtigen Jugendkultur in der ehemaligen DDR. 
„Here we Come“ erzählt diese Geschichte und was bis heute davon überlebt hat. Für Jugendliche wie Simo, Magic Mayer und Beatschmidt ist Breakdance ihre Heimat und Hip Hop ihr Lebensinhalt: „In jeder Sekunde tanzen können.“ Trotz Stasi, Diktatur und Sozialismus gehen sie ihren eigenen Weg.

Sie treffen sich zum Tanzen an Straßenkreuzungen, schneidern sich ihre Puma-Trainingsanzüge selbst, üben den Tanz vor dem Spiegel bis auf die Straße und tragen Graffiti mit dem Pinsel auf, weil es keine Sprühdosen gibt, die kurz nach Erscheinen des Filmes: „Beat Street“ aus dem Verkehr gezogen wurden.
Die Tanz-Bewegungen haben sie sich mehrfach aus Film und Fernsehen abgeschaut. Initialzündung ist eine Körperwelle aus einem New York-Beitrag des ZDF-Auslandsjournals.“

Was der Film „Dessau Dancers“ bei mir also eher zu etwas fremdschämen herbei führte, hatte ich bei „Here we Come“ herzhaft so manche Tränen gelacht, von der begleitenden „Brech-Musik“ (bzw. „Brech-Tanz“, wie es in „Dessau Dancers“ von den Bonzen so formuliert wurde), ganz abgesehen.
„Dessau Dancers“ kann man sich also für einen heiteren Abend schon mal ansehen, „Here we Come“ ist allerdings ein Muss, wenn man tatsächlich wissen möchte, wie Beat Street die damalige DDR verunsichern ließ.
Schade ist, das der Film „Here we Come“ (derzeit) nicht zu beziehen ist, halt nur in schlechter(er) Qualität auf YouTube verfügbar. Somit kann man die Filmemacher in ihrem grandiosen Projekt leider nicht unterstützen. Eine Mail an die Crew zu schicken, dürfte da allerdings nie verkehrt sein, zumal es zusätzlich auch viel Bonustrack geben dürfte.
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Breakdance auf dem Spielplatz und u.a. bei der Klassenfahrt

Da ich mit 6 Jahren eingeschult wurde und die Klassenfahrt (woran ich mich noch erinnern kann) in der 5. Klasse statt fand, kann ich daraus rück schließen, das ich frühestens schon ein Jahr zuvor mit dem Breakdance angefangen hatte, also tatsächlich so um 1985 herum, mit vielleicht gerade einmal 11 Jahren. Auch bei mir war der Kinofilm „Beat Street“ ausschlaggebend; mit wem auch immer ich diesen damals gesehen hatte. Definitiv ist aber das Jahr ab 1986 bei mir zu verzeichnen.

Ganz so schlecht war ich damit nicht, aber auch nicht gut. Heute bin ich dafür viel zu steif. Wir – alles andere nur Jungs, die das unprofessionell in der Freizeit betrieben haben, waren ein loser Zusammenschluss aus der gleichen Jahrgangsstufe und darüber hinaus. Bei einigen weiß ich, das sie später „nicht mehr da waren“ und ein Mitschüler mit mir „wurde aus der 8. Klasse „gegangen“.
Wir übten auf mitgebrachtem PVC-Boden (meines Erachtens hatten wir kein Linoleum) auf einem Spielplatz in einem Vorort vom Provinznest Dessau. Etwas versteckt hinter dem künstlich angelegten Rodelberg – mit freier Sicht auf Äcker und Felder in Richtung Kochstedt.
Ein anderer brachte den „Kassettenrekorder“ mit – was darauf schließen lässt, das es der höhere Jahrgang war, der bereits Jugendweihe hatte und sich vom Ersparten diese Anlage – wie es auf westdeutsch heißt: diese kaufen konnte. Den Rest wurde zu Hause geübt. War also nichts spektakuläres, was wir damit erfahren haben, außer dem „Auftritt“ bei der Klassenfahrt, die allerdings für mich später alles verändern sollte.

Durch Kontakte meiner Eltern zur MBF – „VEB Magnetbandfabrik Dessau“ (Ableger vom VEB Filmfabrik ORWO Wolfen) kam ich immer mal wieder an diese Magnetbänder (die wie Erbrochenes rochen); für das bespielen musste der gerade erst erstandene Kassettenrekorder meiner Schwester herhalten, was vielfach immer wieder zu Streit führte.
Musik wurde nur heimlich und meist über den Sender RIAS Berlin aufgenommen – „für viele Ostler gehörte der West-Sender zum Leben wie Broiler und Club-Cola.“ Hier kann man noch einmal rein hören!
Für den stetigen Bandsalat war der Bleistift und ruhige Handarbeit zielführend, manchmal wurde auch mit „durchsichtigem Klebepapier“ (heute: Tesa) das Band geflickt, bis nichts mehr ging. Hatte man keine Kopie (ungefähr gleich bespielte) vom kaputten Tape, war Staatstrauer angesagt.

Wir waren so gesehen, nur auf dem Spielplatz anzufinden, mit Ausnahme des in Erinnerung gebliebenen Auftritts in einer Jugendherberge nahe Erfurt bei der Klassenfahrt. Ab dieser Zeit trat bei mir aber auch ein Ereignis ein, womit ich Jahre zu kämpfen hatte, weswegen sich dieses Kapitel hiermit schließt. Geblieben sind also die wenigen Erinnerungen…

Fotos von und mit mir gibt es natürlich keine, leider. Was ich nur weiß, das wir das gemacht haben, weil es uns Spaß machte. Das schreibe ich deswegen, weil Hip Hop auch unter der Jugendopposition der DDR zu finden ist. Dafür war ich auch viel zu jung. Ob das andere – anders gesehen haben, keine Ahnung. Die DDR hatte ja alles politisiert, was einem Individualbild entsprach. Oder aber auch anders gesagt: sie war einfach als Staatsapparat paranoid!
Nichts desto trotz ließ ab einer gewissen Zeit mein „sozialistisches“ Engagement nach, was sogar in meinen Zeugnissen vermerkt ist. Man wollte meinen politischen Standpunkt raus kitzeln und genau das wurde auch vermerkt. Immer und immer wieder.
Für mich gab es aber in dieser gewünschten Form keinen Standpunkt – weil es sich mir nicht erschloss, warum ich das immer und immer wieder wie Quark breit treten sollte. Ich war Pionier, später kurz sogar noch in der FDJ und nahm demzufolge auch an der Jugendweihe teil, sang alle Arbeiterlieder im Chor und war sogar im Spielmannszug – aber auf dieses politische Geschwafel an Ausdrucksweise hatte ich einfach keinen Bock.
Ich stellte halt (allerdings ganz naiv) immer die „falschen Fragen“, wenn mir etwas unlogisch erschien, von dem ich heute weiß, das es Propaganda heißt. Ich konnte mit diesen „Schachtelsätzen“ nichts anfangen, die keinen Sinn zu meiner Fragestellung ergaben und intellektuell einfach dumm erschienen. Ich wollte das tatsächlich einfach nur wissen, bekam aber nie Antworten und statt dessen passierten als Konsequenz wieder Dinge, die ich noch weniger verstand.
Letztendlich wurde daraus eine (für mich) private Rebellion, um mich zu wehren. Gegen Lügen, Intrigen, Abstrafungen und Verleumdungen. Es half aber alles nichts… Irgendwann wurde ich aus dem Gruppenrat abgewählt, sollte aber noch als Schriftführer weiterhin das Gruppenbuch führen. Auch dagegen rebellierte ich (was sonst?!). Wie man mit mir umging, wurde irgendwann sehr einschneidend für mich, was vor allem die (Gesamt)-Schule betraf.

An Break Dance reihte sich auch ein, das ich damals schon immer ein BMX-Fahrrad haben wollte, was sich aber leider nie realisieren ließ. Das mag heute komisch klingen, für mich war das damals ein Weltuntergang.
U.a. aus diesem Grund hatte ich auch bis zum Fall der Mauer das sogenannte „Klappfahrrad“, was ungefähr die Größe eines BMX-Rades hatte und diesem doch etwas ähneln konnte. Später wurde daraus das Mountainbike, welches bis heute in meinem Besitz ist, auch wenn ich es aktuell mit meinem Ostrad austausche.

Es war zu einem Lebensgefühl geworden, das nie wieder weg ging. Ich bezeichne mich zwar auch als einen der typischen Depeche Mode Fan aus der damaligen Zeit ohne die Band 1988 gesehen zu haben (und das ist nochmal eine ganz andere Legende), aber auch der Hip Hop rund um Break Dance ist bis heute ein Gefühl für mich geblieben, was zu mir gehört, so wie auch Leute nach mir im Internet suchen und dafür das Stichwort Fotografie eingeben. 😉
Meine Liebe und Faszination zur Streetart und Graffiti kommt daher bestimmt nicht von ungefähr. Aber auch, das ich alles, was Rollen hat, absolut liebe. Auch das gehört neben der Musik mit dazu!

Tja. So war das damals. Ich bin froh, das es dieses Thema der Subkultur (aus dem Osten) nach so vielen Jahrzehnten in den Mainstream geschafft hat. Also nicht Mainstream, aber das es auch der Mitte der Gesellschaft bekannt gemacht wurde und auch die Medien dieses Thema aufgriffen.
Eigentlich wollte ich diesen Beitrag rückwirkend einstellen. Da aber heute der 3. Oktober und somit „Tag der Deutschen Einheit“ ist, veröffentliche ich diesen dann doch heute. Passt ganz gut, wie ich finde. 😉


Quellen:
https://leo-magazin.com/artikel/2020/april/heimatfilme-mal-ganz-anders-dessau-dancers.html
https://raputation.de/here-we-come_breakdance-in-der-ddr/
https://raputation.de/dessau-dancers_brechtanz-im-sozialistischen-osten/
mediasteak.com/here-we-come-breakdance-in-der-ddr/
https://www.welt.de/kultur/kino/article139669119/Auch-am-Breakdance-war-die-Stasi-schuld.html
https://www.mz-web.de/dessau-rosslau/zum-start-von–dessau-dancers–die–wahren-helden–treffen-sich-an-alter-wirkungsstaette-1471904
http://web.archive.org/web/20150421113128/http://www.senator.de/api/senator/educational_material/dessau-dancers/original/DESSAU-DANCERS_Schulmaterial.pdf

Das Ostrad – vielfach mit Ostalgie verwechselt

30/09/2020

Wie einige ja nun schon mitbekommen haben, bin ich „dank Corona“ wieder auf das Rad umgestiegen, was auch förderlich für das eigene Wohlbefinden ist und: Rad fahren verleiht Freiheit (und manches Mal auch Qual, ja!).

Berlin hatte mich ab 2007 faul und vorsichtig werden lassen. Faul, weil man mit den Öffentlichen in kürzester Zeit von A nach B kommt und das auch mit JWD (janz weit draußen) verbinden kann. Des weiteren laufe ich sehr gerne und sehr viel, auch bgzl. Wanderungen (bzw. war das bis vor Corona so).
Vorsichtig deswegen, weil Berlin leider nicht Bremen ist, ein Stadt von Traum für Radfahrer, in der ich einst viel mit dem Drahtesel unterwegs war. Und zwar mit meinem Mountainbike, was bis heute mein Eigen ist – aber leider durch das nicht fahren in einem Zustand, wofür ich mich schämen müsste.
Denn ein Rad hat man bekanntlich für´s ganze Leben, es sei denn, es wurde geklaut, ist unzerstörbar kaputt – evtl. auch mutwillig so gemacht worden (dann richtet man es wieder her, wie ich das damals auch in Bremen so tat) oder man verkauft es, weil man sich einem „anderen Stil“ zugewandt hat.

Ab 2007 hatte ich schon mal zur Leihgabe (eigentlich war es geschenkt) ein Tourenrad bekommen, ganz oder etwas ähnlich dem heutigen Ostrad. Da ich es aber nicht fuhr, gab ich es nach einer Anfrage wieder zurück.

Schon seit zwei Jahren hatte ich mir vorgenommen, mein Mountain-Bike wieder herzurichten, aber es blieb bei dem Gedanken daran. Als im März diesen Jahres Corona Berlin erreichte, wurde mir klar, das ich (schon im Zustand von krank) weder mein Rad so schnell reparieren könnte, noch in Zukunft die öffentlichen Verkehrsmittel fahren würde.
Daraus wurde der Kauf eines gebrauchtes Herrenrades (mit Rücktritt), welches mich in der Anfangszeit zum Doc nach Lübars führte, aber auch zu Einkäufen außerhalb meines Kiezes, was ich mit kleinen Touren verband.

März 2020: meine beiden Bikes, mein Mountain-Bike aus Anfang der 90er Jahre (hinten) müsste endlich mal von mir repariert und gewartet werden

Mein Mountainbike zu verkaufen, kommt mir allerdings nicht in den Sinn, dafür bin ich ein viel zu passionierter MBT und BMX-Fan und fahre aus Leidenschaft. Auch: weil ich darauf super sicher fahren kann, Hindernisse inbegriffen, denn die sollte man „fahren können“, um halbwegs im Straßenverkehr sicherer zu sein. Und das kann ich mit dem MBT ganz gut.

Ostrad-Kauf von einem Kollegen

Mitte Mai las ich bei einem Kollegen (nicht von der taz), das dieser sein gebrauchtes Ostrad verkauft, weil er sich ein neueres Modell zugelegt hatte. Ich war sofort Feuer und Flamme, denn der Preis bewegte sich in einem für mich damals machbaren Rahmen.
Auch wenn der taz-Artikel aus 2006 verspricht, der Rahmen würde nicht rosten, habe ich einige kleine Rostflecken am Rad, was alles (von mir) mal noch bearbeitet und gepflegt werden sollte, wenn mir was an dem Rad liegt. Und: das tut es!
Eine Werkstatt zu finden, wo ich mein Rad u.a. neu lackieren kann, sollte hier in Berlin kein Problem sein. Es gibt einige Anbieter, wo man sein Rad aus sozialen Gründen kostenlos reparieren lassen kann, dort werde ich mit Sicherheit eine Fläche gegen eine Spende bekommen, um mich kreativ auszutoben. Solange ich allerdings noch schwanke zwischen rot und grün – werde ich das noch nicht umsetzen können. Vielleicht im nächsten Frühjahr!
Von Reparaturen und schrauben bei Mountain-Bikes verstehe ich was, sehr viel anders wird das auch bei den Osträdern nicht sein.

Mein Rad dürfte in etwa das oben rot abgebildete „taz-Rad“ sein, welches bis heute über die Tageszeitung zu beziehen ist. Die beiden anderen und grünen sind Ostrad-Reiseräder und kommen dem meinigen ebenfalls sehr nahe, welches schon in einigen Ostblockländern auf Tour war. Die Grüntöne finde ich dabei sehr interessant, alles gar nicht so einfach.
Und dieser Transportkorb für vorne soll noch mit dazu kommen (hinten hab ich ja schon), dann sollte dem nichts mehr im Wege stehen, auch mal größere Touren machen zu können und/oder den Einkauf beim Transport besser umzusetzen – wichtig, wenn man kein Auto hat oder will.

Das Ostrad ist aber kein (N)Ostalgie-Begriff, womit man assoziieren könnte, ich hätte mir z.B. die einstige DDR-Marke: „Diamant“ an Fahrrad zugelegt. Und das verbinden tatsächlich viele Menschen damit, dabei ist es eigentlich ein „Prenzlberger Nachwende-Phänomen“. Ostrad schreibt zur Namensgebung:

Es gab bereits Anfang des 20. Jahr­­hunderts ein gleich­namiges Fahrrad­­werk in Breslau – dem­­entsprechend steht der Name einer­seits für Tradition, als auch für die geografische Lage. Auch wenn wir im Prenz­­lauer Berg mitten im Herzen von Berlin sind, bleiben wir bei unserem Namen: er ist schön und unver­­wechselbar, kurz – er passt zu uns.

Entstanden ist der Betrieb aus einem ABM-Projekt, welches Anfang der 90er-Jahre in der Greifswalder Straße Fahrräder verlieh.
Als das Projekt auslief, wurde 1991 Ostrad am gleichen Standort gegründet, zunächst als genossenschaftliches Modell (Mitglied im Verbund selbstverwalteter Fahrradbetriebe), bis 1993 die Gründung durch den gebürtigen Hallenser Eckbert Schauer als Geschäftsführer in der Winsstraße erfolgte.

Schauer ist Rahmenbauer, der sich auf Stahl spezialisiert hat. Während Aluminium hart und spröde ist, zeichnet sich Stahl durch Flexibilität und Robustheit aus.
„Das ist ein wesentlich besseres Fahrgefühl, da über den Stahlrahmen die Stöße von der Straße abgefedert werden, während Alu sie direkt an die Wirbelsäule weitergibt.“ Auch könne Stahl, ist er mal gebogen, wieder repariert werden. „Mit Aluminium geht das nicht“.
Dass Alu leichter sei als Stahl, sei ein Irrtum. „Man darf nicht, wie bei billigen Rädern früher, mit dickem Stahl arbeiten. Das ist was für den Heizungsbau.“

Ich für mich kann nur sagen: es trennen sich Welten zwischen dem gebrauchten Herrenrad mit Rücktritt und dem Ostrad, was das gesamte Fahrverhalten betrifft. Mein altes Mountain-Bike ist z.B. auch ein super schweres Rad, allerdings hat es auch eine ebensolche Qualität und hat mich nie im Stich gelassen.
Das Ostrad hingegen ist aber sehr viel leichter. Es fährt sich super, ist nicht so anstrengend zu fahren und ich habe stets das Gefühl, mit einem „leichten Rad“ unterwegs zu sein! Gerade in einer Zeit, in der ich besonders außer Atem war, hat sich dieser Kauf an Rad für mich unumpfänglich gelohnt!

Ostrad-Werbung bei der Fischerinsel (Mitte) im April 2018

Ostrad-Werbung bei der Fischerinsel (Mitte) im April 2018

Mit dem Rad zum ersten Mal auf dem Tempelhofer Feld

16/09/2020

Seit August habe ich ja in Neukölln meine zeitlich begrenzten Termine, wenn es nicht gerade regnet. Das heißt: mit dem Rad von Mitte Richtung Tempelhofer Feld, was mich fast 2 Stunden Fahrtzeit kostet, besser bin ich noch nicht geworden.

Meistens entstehen meine Handy-Fotos immer erst auf der Rücktour. So auch diesmal. Ich war zum ersten Mal mit dem Rad auf dem Tempelhofer Feld und auf der Rücktour konnte ich noch einen Streetart-Künstler am Haus der Statistik – neben dem mittlerweile geschlossenen Gebäude vom Haus der Gesundheit entdecken.
Aber auch auf der Rückseite vom Haus der Statistik war noch ein neues Kunstwerk von Caro Pepe, das wusste ich dank Instagram. 😉

Auf dem Tempelhofer Feld war es kurz zuvor noch sonnig, aber auch sehr windig. Sehr gut an meiner Punk-Frisur 😎 zu erkennen:

Aufgrund meiner „Zeh_remonie“ war ich den Hinweg diesmal allerdings mit der BVG gekommen. Zurück ging es mit dem Rad, wie oben beschrieben.

Quellen: https://www.facebook.com/urmelausberlin/posts/2454270554873199 und https://www.facebook.com/urmelausberlin/posts/2454159264884328

Die Hitler-Rutsche in Mitte

10/09/2020

An der Stelle, unter der sich der ehemalige Führerbunker befand, steht heute ein Spielplatz mit einer kleinen Plastik-Rutsche. Laut Stadtführern gibt es Touristen, die diese „Hitler-Rutsche“ gern sehen wollen. 😀
Das schreibt der Berliner Kurier am 20. September unter der Überschrift: „Skurriles aus der Hauptstadt“.

Nun bin ich zwar kein Tourist, aber ich erinnere mich, das mich ein Foto-Kollege im August 2015 dorthin geführt hatte, der genau von dieser Skurrilität wusste.
So ist auch folgende Aufnahme entstanden:

Der Ort, wo sich heute die Reste des Bunkers im Boden befinden, ist mit einer Informationstafel an der Ecke Gertrud-Kolmar-Straße/In den Ministergärten gekennzeichnet, die vom Verein Berliner Unterwelten kurz vor der Fußballweltmeisterschaft am 8. Juni 2006 aufgestellt wurde, um der Mythenbildung vorzubeugen.
An die Reichskanzlei und den Bunker erinnert an der Ecke Wilhelmstraße/Voßstraße eine Tafel der Stiftung Topographie des Terrors. Im Bereich des Bunkers befindet sich heute ein Parkplatz.

Interessant dazu ist auch die Internetpräsenz „Berlin Wilhelmstraße“: https://www.berlin-wilhelmstrasse.de/fuehrerbunker/

Eine Zeh_remonie mit dem rechten Fuß

03/09/2020

Die meisten Unfälle passieren ja im Haushalt, so sagt man. Die meisten Unfälle, die mir (so richtig heftig mit Bruch, HW-Verletzung, Krankenhaus und so) passierten, geschahen mir beim Sport (Fußball, Volleyball, Rollstuhlbasketball). Oder beim Urban Exploring. Letzteres darf allerdings immer nur Ausnahme sein.
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Diesmal war es aber tatsächlich die Bad-Tür-Konstellation und kein Fahrrad-Unfall oder Sport. Und ich hätte schwören können, das der Zeh gebrochen war. Letztendlich bin ich wohl haarscharf daran vorbei geschlittert.
Interessant war, das (außer dem Blut) erst gar nichts weiter zu sehen war. Da ich Frau W. an diesem Tag treffen wollte, die sich noch die letzten Tage in Deutschland aufhielt, wollte ich den Termin nicht absagen und dachte mir nur so: ein bisschen Blut, nichts dick und blau, ab auf´s Rad nach Kreuzberg, wird schon. ^^
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Bei Herrn E., wo ich zum Spätzle-Essen mit eingeladen war, kann ich mich ausruhen, so dachte ich mir. Das dumme: ich musste erstmal nach Kreuzberg kommen und verfuhr mich standesgemäß natürlich erst einmal und so brauchte ich gute 2 Stunden, um zum verspäteten Essen zu kommen, es war allerdings noch genug für mich da. 😀
Da die Schmerzen unerträglich wurden, schaute ich dann doch nochmal nach. Und was soll ich sagen. Das Gebilde rund um die Zehen war tiefblau, fast schwarz. Und dick. Den Abend verbrachte ich dann mit Kühl-Pad und die Überlegung, mit der BVG nach Hause zu fahren, weil es einfach auch vernünftiger war (zumal es auch noch in Strömen zu regnen anfing).
Das tat ich dann auch und ich bekam fast nen Koller, als ich las, das ein Fahrradticket 2 Euro kostet! In Zukunft werde ich mir das Monatsticket holen (10 Euro), denn die Tage werden bald nicht mehr so schön und zur Not werde ich dann auch nur „halbe Strecken“ fahren, je nachdem, wie es mir gesundheitlich geht.
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Fotos von den Zehen möchte ich logischerweise nicht posten. 😉 Fakt ist aber: das war´s dann erstmal wieder mit der Mobilität. Erstmal muss ja auch ein Schuh passen, kann mich ja schlecht mit Schlappen oder Badelatschen durch die Berliner City bewegen, zumal jede Berührung mit dem Zeh mittlerweile Schreikrämpfe verursacht. Ich kann ihn aber bewegen, also kann er nicht gebrochen sein. Mal sehen, wie das verheilt. Ich hab´s ja nicht so mit Krankenhäusern und Ärzten…

Zweite Großdemo der Corona-Leugner in Berlin

29/08/2020

„Erste Welle, zweite Welle, Dauerwelle“ und: „Attila, Attila, dein Volk ist da“. Schuldig-Schilder u.a. mit Jens Spahn, Heiko Maas, Christian Drosten, Angela Merkel oder Dunja Hayali in Gefängniskluft, schwer auf den Fotos zu erkennen.
.Großdemo der Corona-Leugner Ende August 2020 in Berlin
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So titelte einleitend mein Facebook-Eintrag am 29. August, ich war einfach nur bestürzt. Über all das, was ich dort sah.
Ich war nicht zu dieser Demonstration gegangen, weil ich mir den Scheiß rein ziehen wollte, sondern weil ich auf der Straße des 17. Juni „lose“ mit Karoline Preisler (FDP) via Twitter verabredet war. Sie selbst hatte Covid-19 durchlebt und warnte an dem Tag vor diesem Virus. Sie versuchte, die Menschen zu erreichen und wenn es nur ein einziger wäre. Dabei hatte sie 75 Mundschutz-Masken, von denen sie am Ende 10 verteilen konnte. Aber nur zwei Personen haben diese dann auch tatsächlich getragen.
Ich wollte mich ein klein wenig mit ihr unterhalten und evtl. das eine oder andere Foto von ihrem Einzelprotest machen. In der Hoffnung, etwas „positives“ (der anderen Art) mit nach Hause nehmen zu können.
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Es sollte aber an dem Tag nicht sein. Ich stand an der Straße des 17. Juni und sie – fest vor dem Brandenburger Tor, wo sie dann auch blieb. Da begibt man sich nicht gerne in diese durchseuchten Massen. Für mich jedenfalls. Da gab es zu dem Zeitpunkt einige Tumulte.
Der Tagesspiegel war da schneller (bzw. gleich am Brandenburger Tor) und hat darüber ein Interview gesendet, zum nachlesen auch hier.
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Nachdem wir uns nicht mehr trafen, verpieselte ich mich zum Potsdamer Platz, um erst einmal einen guten Kaffee zu trinken und mich vor allem: auszuruhen. Alles ganz chic mit Kontaktliste und so. Natürlich habe ich draußen gesessen, dem Wetter sei Dank.
Von weitem sah ich ein paar Nazis mit Reichskriegsflagge. Und ganz urplötzlich aus dem Augenwinkel heraus kam dort eine junge Radfahrerin entlang- und kurz darauf an mir vorbei gefahren, die diese Flagge im Vorbei fahren an sich riss und an mir mit der zu geknüllten Fahne vorbei rauschte. Das Café, in dem ich saß, johlte und applaudierte. Zwei junge Mädels neben mir zeigten sich ganz echauffiert, „dass das zu weit gehe“. Mein Grinsen wurde mit wütenden Blicken „abgestraft“. Da blieb mir nur noch das Kopfschütteln…
Festsetzung eines "Corona-Rebellen" nahe Friedrichstraße

Festsetzung eines „Corona-Rebellen“ nahe Friedrichstraße

Ich war eigentlich schon auf dem Heimweg, als ich noch einmal an einem Café nahe dem BND Halt machte, denn so einfach nach Hause fahren kann man bei solch einem Tag nicht.
Aber selbst 5km von der Demo entfernt saßen sie neben mir, die Corona-Leugner aus Bayern und bestellten ihre Abendkost. Sie waren zeitgleich mit mir gekommen. 🙄
Das Video auf dem Smartphone wurde laut gestellt und ich konnte (nein: musste) Kennedy jr. reden hören. Dabei hatte ich extra das Café ausgesucht, weil es dort ruhig und quasi menschenleer war.
Schon bei der Bestellung wurde die Bedienung gefragt, ob sie denn überhaupt wisse, was heute in Berlin los ist und man drückte ihr einen Flyer und eine Visitenkarte in die Hand.
Als die vier zahlten, war natürlich auch ich an der Reihe und bekam Flyer und Visitenkarte überreicht. Dieses Missionieren ist das, was mir extrem gegen den Strich geht; wie bei den Sekten. Und die ständige Grenzüberschreitung und fehlende Distanzhaltung.
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Ich wartete mit der zweiten Cappuccino Bestellung, bis die „Pseudo-Revoluzzer“ weg waren und ich hatte dann noch einen sehr schönen und langen Austausch mit der Ladeninhaberin, der ich erst einmal erzählte, wem sie da ihre Telefonnummer gab. Sie war sichtlich geschockt und erschrocken.
Es war Reichsbürger-Werbung, die verteilt wurde. „Wir berichten, worüber andere schweigen“ – „Referendum für die Verfassung von Deutschland“. Mit einem Link zum Onlineradio.
Der Rest der „Auslese“ war eine Visitenkarte vom Reichsbürger Rüdiger Hoffmann (Staatenlos.info) und ein „Glücks-Ganseha“.
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Reichsbürgerwerbung
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Fakt ist: in das Lokal kehre ich gerne wieder ein. Ich würde es gerne empfehlen, aber ihr wisst schon…
Was gutes mitgenommen habe ich also doch noch und das sogar in mehrfacher Hinsicht! Allein dafür hat es sich (auch für´s gute Gefühl) schon gelohnt!
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